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Archiv der Einträge: Februar, 2010
  • Vancouver: Super-Bilanz für Deutschland

    Andreas Teichmann setzte das I-Tüpfelchen auf die Bilanz der Olympischen Spiele von Vancouver. Eine Medaillenbilanz besser als in Turin, zwar nicht Nummer eins, aber nur, weil diese Track- und Neudisziplinen dazu gekommen sind. Klassisch 10 Gold, dabei im alpinen Bereich so stark, das war Genuss für den Sportfan. Und in vielen Disziplinen kommen gute junge Leute nach, die erste Olympia-Luft geschnuppert haben. Ich bin dankbar für den Spaß, den die Sportler uns geboten haben. Die Sportförderung in den Winterdisziplinen funktioniert noch immer...

  • "Drama": Kein Edelmetall für Österreichs Alpine

    Woanders gibt es Erdbeben, Sturmfluten, Pest und Cholera - in Österreich gibt es die "alpinen Männer ohne Medaille". Die spinnen, die Ösis. Was wäre erst gewesen, wenn die Skispringer kein Mannschaftsgold geholt hätten?

    "Jetzt war ich zweieinhalbmal dabei, aber Olympia mag mich nicht. Das zipft mich an, das muss ich aber akzeptieren und fertig" - Manfred Pranger fiel wie Felix Neureuther früh beim Slalom aus. Und auch Benny Raich wurde Vierter, Hirscher Fünfter, Herbst Zehnter oder so.

    Die Abfahrt ging in die Hose, noch schlimmer. Und Super-G, Kombi, Riesenslalom - nothing to hol...

    "Vierter, Fünfter, nachdem wir schon Vierter, Fünfter, Sechster im Riesentorlauf gehabt haben, das ist so etwas wie die Höchststrafe für uns als Betreuer und für das ganze Team. Nur wissen wir nicht, was wir ausgefressen haben" - ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger, zitiert im ORF-Videotext.

    Jungs, schon mal was von Überheblichkeit gehört? Wohl kaum. Im Fußball gibt es das Problem in Österreich nicht. Als Ausgleich mal Weltmeister Österreich im Fußball? Der Weg ist weit...

  • Hans Küng fordert die Abschaffung des Zölibats

    Jetzt hat sich mit Hans Küng ein Theologe zu Wort gemeldet, dessen Wort Gewicht hat. Dessen christliches Verständnis seriös ist. Für ihn gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche. Das zölibatäre Leben ist biblisch an Freiwilligkeit gebunden. Es ist kein verbindliches Gesetz. Paulus kritisiert einen erzwungenen Puritanismus: "Wegen der Versuchungen zur Unzucht soll jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann haben" (1 Kor. 7,1f). Nach dem neutestamentlichen Ersten Brief an Timotheus soll "der Bischof Mann nur einer (nicht: keiner!) Frau sein" (3,2). Petrus und die übrigen Apostel wurden als verheiratete Männer berufen. Viele Jahrhunderte, so zeigt Küng, war es für Bischöfe und Älteste selbstverständlich, verheiratet zu sein. Die östlich-orthodoxen Kirchen erlauben das Heiraten der Priester bis heute. Das Zölibatsgesetz der römisch-katholischen Kirche aber widerspricht dem Evangelium und der alten katholischen Tradition. Man muss diese Wurzel menschlicher Verirrung abschaffen.

  • Missbrauch: Katholische Kirche muss sich radikal ändern

    Wer als Träger des Glaubens gelten möchte, braucht zuallererst eines: Glaubwürdigkeit. Wenn die verloren geht, dann geht die Botschaft mit baden. Das ist der Fall bei großen Institutionen der Katholischen Kirche. Diese hat mit ihrer institutionellen Starrheit und ihre Formen der Personalrekrutierung Probleme erzeugt, die sie nicht mehr beherrscht. Vergebung und Veränderung auf individueller Ebene sind schwer zu predigen, wenn strukturell krasse Sünden wie Pädophilie geradezu gefördert werden. Die Kirche muss das Zölibat reformieren. Menschen müssen alternative Möglichkeiten bekommen, wenn sie sich auf ein geistliches Amt vorbereiten, aber spüren, dass sie sexuell nicht enthaltsam sein können. Das Sich Vergreifen an Kindern ist ein Zeichen von Pathologie, ein Ausdruck geübter Machtlosigkeit, der Verlust an Kontrolle. Eigentlich soll der Priester in Gott ruhen und die irdischen Bedürfnisse überwinden können. Aber wer vermag das schon? Es ist Zeit für die Kirche, diese strukturellen Fehler zu beheben. Hier ist Rom gefordert.

  • Darf ein Deutscher nicht sport-patriotisch sein?

    Eine unbekannte Autorin namens Lisa Sonnabend darf ihren persönlichen Frust über das geänderte Fernsehprogramm in der Süddeutschen ungestraft ausleben. "Schwarz-rot-geil ist anders" lautet das niveaulose, pseudo-feuilletonistische Stückchen aus der Möchtegern-Aufklärungskiste des deutschen Vulgärjournalismus. "Ein guter Deutscher freut sich nicht über Medaillen", so ungefähr ihr Motto. Und die Leistungen seien schlecht, obwohl die Sportler Top-Leistungen abliefern und die Spannungsbögen im Slalom etc. riesig sind. Was ist in eine solche Feuilleton-Friseuse gefahren? Diese Maßregelung des mitfiebernden Zuschauers ist unmöglich. Es ist das Recht des Bürgers, sich für das seine Nation repräsentierende Team zu freuen. Und ich zittere mit Maria Riesch mit, wie viele Garmischer und andere Sportfans auch... weltweit!!!

  • Olympia: Medaillenspiegel - für Deutschland wird es knapp

    Es wird knapp mit der Wiederholung des Sieges in der Nationenwertung bei Olympia in Vancouver. Der Medaillenspiegel ist zwischen fünf Nationen sehr eng. Die USA profitieren von neuen Sportarten und einigen Überraschungssiegen wie in der Nordischen Kombination, die Norweger sind sehr stabil und kassieren Biathlon, wo Deutschland bei den Männern an Boden verloren hat.
    Deutschland gelangen mit Viktoria Rebensburg und den Langlauf-Damen Nystadt und Sachenbacher-Stehle Ausreißer nach oben, im Herren-Biathlon und im Frauen-Bob jedoch Ausreißer nach unten.
    Wenn beim Slalom der Damen und Herren noch etwas raus springt, in der Mannschaft der Damen beim Eisschnellauf noch Gold gewonnen wird und auch Andre Lange den Vierer-Bob noch gewinnt - ja, dann kann der Gesamtsieg noch möglich sein. Aber Kanada und die USA gewinnen noch Gold - sie spielen im Eishockey-Herren-Finale wohl gegeneinander...

  • Bei Internet-Abzocke nie zahlen!!!

    Wer ist nicht schon einmal davon betroffen worden: Spam-Mails versprechen den großen Gewinn und locken in teure Abonnements oder Telefon-Hotlines. Anrufe von kommerziellen Anbietern reizen mit Angeboten und verführen Leute, die sie gezielt auf dem falschen Fuß erwischen. Automatische Anrufe belästigen einen zu Hause. Werbe-SMS versprechen Gewinne, wenn man eine SMS zurück schreibt. Auch Partner-Portale locken sie dazu, sehr teure SMS zu verschicken. Dabei sind die Kontaktanzeichen meist nicht real, wie auch die Stiftung Warentest festgestellt hat. Die Zahl der Betrugsversuche nimmt erheblich zu. Hier ist Vorsicht geboten. Deshalb werden wir ein paar Methoden vorstellen.

    Senioren sind anfällig

    Gerade, weil Senioren oft das Medium Internet noch nicht so gut kennen, sie sind besonders anfällig für dubiose Angebote. Wenn Menschen wenig Aufmerksamkeit bekommen und keine erfahrenen Leute um sich herum haben, die das Internet mit allen Möglichkeiten und Tücken kennen, dann sind sie leichte Opfer für Betrüger. Selbst erfahrene Geschäftsleute sind schon in die Fänge von Netz-Betrügern geraten. Auf Youtube gibt es unter AbzockTV (Link s. u.) eine Sammlung an Sendungen über die Praktiken der Betrüger und auch Wege, damit umzugehen. Insgesamt gilt jedoch: Geben Sie keine Daten von sich preis, wo es nicht notwendig ist. Und vor allem: Zahlen Sie nicht nachvollziehbare Rechnungen in keinem Fall. Die Betrüger kalkulieren mit Ihrer Panik, durch Zahlung angebliche Verpflichtungen zu tilgen. Im Gegenteil: Zahlen Sie einmal, dann bleiben Sie ewig an der Angel solcher dubioser Geschäftemacher.

    Arten von Fallen

    Wie gehen diese Betrüger vor? Sie missbrauchen tiefere Wünsche von Menschen und bieten billige und scheinbar plausible Lösungen an.
    Glücksspiele: Wer möchte nicht etwas gewinnen und sich einen Traum erfüllen, den er sich so nicht leisten könnte wie eine Kreuzfahrt? Und wer wird nicht hellhörig, wenn leichte Gewinne versprochen werden? Oder wer möchte nicht ein Auto gewinnen? Per Email kommen Meldungen wie "Sie haben gewonnen. Um Ihren Gewinn abzuholen, müssen Sie nur folgende Nummer anrufen. 01805…". Wer unerfahren in diesen Dingen ist, der gerät durch seinen Anruf in eine Endlosschleife und erfährt erst auf seiner Telefonrechnung, dass er dafür 1,99 Euro pro Minute zahlen musste. Der Wunsch nach Gewinn wird so zu einem teuren Vergnügen.

    Im Internet und per Anruf gibt es Abo-Fallen. Die neueste Masche ist es, Produkte zum Test anzubieten (zum Beispiel Forschungsgruppe Profana). Dabei wird versprochen, dass man hochwertige Produkte erst einmal gratis testen darf, um bei Zufriedenheit ein Abonnement zu beginnen. Denn der angebliche Warenwert der zu testenden Produkte übersteigt die Abo-Gebühr scheinbar um ein Vielfaches. Wenn Sie am Internet oder am Telefon Ihre Adresse angegeben haben, dann kriegen Sie kein teures Handy zum Test, das sie behalten dürfen, sondern eine teure Abonnement-Rechnung, der Sie angeblich zugestimmt haben. Also: Niemals am Telefon die Adresse weiter geben. Auch auf keinen Fall die Konto-Nummer angeben, das ist besonders fatal. Auch bei Gratis-Downloads im Internet ist Vorsicht geboten. Betrugsfirmen wie Opendownload schicken auch eine Abonnement-Rechnung. In der Regel reicht es, nicht zu reagieren auf dubiose Rechnungen! Bei jeder Art von Werbe- oder Umfrageanrufen am Besten sofort auflegen. Unhöflich sein kann viel Geld sparen!

    Partnerschaftsportale sind Ausdruck der Sehnsucht von Menschen nach Beziehungen. Aber auch hier liegt meist Missbrauch vor. Sie kriegen von einer netten Frau oder einem netten Mann eine Email; was im normalen Leben nicht klappt, scheint auf einmal wahr zu werden. Jemand will Sie kennen lernen. Aber Vorsicht! Ein idealer Typ, reich und schön, will in Ihr Leben eindringen. Sie müssen nur anrufen (teuer!) oder einige persönliche Daten preisgeben, die teuer werden können. Geben Sie unrealistischen Angeboten niemals nach. Denn meist steckt hinter dieser reizvollen Person keine echte Person, sondern eine Fiktion, die der sie anrufende Betrüger für seine Ziele benutzt.

    Was ist zu tun?

    Wenn Sie einen Anruf bekommen, dann geben Sie nichts preis. Lassen Sie sich den Namen und die Festnetz-Durchwahl eines Mitarbeiters der Firma geben, die sie angerufen hat. Dann prüfen Sie die Daten über die Firma im Internet. Fast immer taucht unter der genannten Firma gleich ein ganzes Bündel Missbrauchsgeschichten auf, dann wissen Sie, was los ist. Oder die Rückruf-Nummer funktioniert nicht.
    Sie sollten sich an Verbraucherschutzzentralen wenden und bei der Bundesnetzagentur den Missbrauch auf einem Formular melden. Dazu sollten Sie die Korrespondenzen aufheben. Aber in der Regel gilt: Solange man nichts überweist, kann nicht viel passieren. Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein Mahnbescheid bei einer (unberechtigten) Forderung kommt, ist der Widerspruch sofort auszufüllen. Selbst vor Gerichtsverhandlungen sollte man keine Angst haben. Denn zu solchen kommt es nicht. Bei diesen Betrugsfirmen ist eines klar: Sie scheuen die Öffentlichkeit einer Gerichtsverhandlung wie der Teufel das Weihwasser. Es ist kein einziger Fall im Internet zu finden, wo jemand gegen eine Abzock-Firma ein teures Gerichtsverfahren verloren hat. Ich selber habe gegen einige dieser Firmen ein Strafverfahren laufen. Die Politik ist aufgerufen, klarere Richtlinien gegen diese Firmen durchzusetzen.

  • Käsmanns richtige Entscheidung

    Margot Käsmann hat ihre Integrität bewahrt und wird auf Dauer weiter mitsprechen können im Diskurs der Gesellschaft, moralische Fragen betreffend. Erschreckend ist nur, dass die Kirche als Institution ohne jede Frage die Absolution erteilt hätte. Beide Kirchen verteidigen nicht eine Moral sui generis, sondern ihre partikularen Interessen. Die Katholische Kirche steht im Streit mit Strafverfolgungsbehörden des Staates, weil sie die Aufklärung der Missbrauchsfälle verhindert hat, verschleppt und keineswegs dabei eine Diskussion über die menschliche Natur vollzieht.
    Frau Käsmann hat sich mit diesem Schritt als große Frau gezeigt. Das war ein Schritt, in welchem sie zeigte, dass ihr ihre Integrität wichtiger ist als ihre Rolle. Solche Entscheidungen bräuchten wir mehr, um das Elitevertrauen wieder herzustellen...

  • International Studies Convention 2010 in New Orleans: Deutsche Politikwissenschaft nicht konkurrenzfähig

    Die 51. Convention der International Studies Association (ISA) “Theory versus Policy – Connecting Scholars and Practitioners“ fand vom 16.-20. Februar in New Orleans/Louisiana statt. Dem Motto der Konferenz entsprechend fanden neben zahlreichen Fachpanels auch mit hochrangigen politischen Praktikern besetzte Roundtables statt. Die institutionalisierte Parallelität von Theorie und Praxis ist eine große Stärke der amerikanischen Politikwissenschaft. Dazu spürt man die Vernetzung unter den US-Universitäten, die dazu beiträgt, dass Graduierte in ihren Dissertationsprojekten frühzeitig epistemische Forschungsgemeinschaften aufbauen und sich gegenseitig fachlich unterstützen können. Folgerichtig war das Gefälle im Niveau der Beiträge von Wissenschaftlern amerikanischer und anderer Universitäten zugunsten ersterer signifikant. Deutsche Beiträge spielten nur eine untergeordnete Rolle. Skandinavische und israelische Wissenschaftler befruchteten dagegen die politikwissenschaftlichen Diskurse.

    Deutsche Professoren nehmen in den USA nur die Stellung von Post-Graduierten ein. Auf den großen Roundtables saß keiner. Sie brachten es nur zum Chair oder Discussant, die Herren Diez, Daase oder Hellmann. Irgendwie spiegelte die Konferenz die Bedeutungsdefizienz deutscher und europäischer Politik an sich wider. Das Moralisieren und die Gutmenschlichkeit der Deutschen - Prinzipiengelaber statt Handeln - kommt eben wenig an in der globalen Analyse und Praxis. Die Asiaten hingegen nehmen immer mehr Raum ein in der Diskussion. Wenigstens konnte ich von diesem Abstieg selber überzeugen und aktiv dazu beitragen...

  • Der "Fall" Käsmann - falsche Maßstäbe

    Was steckt dahinter, wenn eine Ratsvorsitzende des EKD nachts mit 1,54 Promille die Ampel überfährt? Da ist nicht nur eine einzelne Verfehlung im Spiel, da liegen falsche Maßstäbe im privaten Wandel vor, die nichts mit der Lehre zu tun haben, die diese Frau offiziell zu repräsentieren scheint. Das geht einfach nicht. Mit einem nicht bekannten Mann im Auto - Schweigen verhüllt tiefer gehende Probleme. Die oft gefeierte "Liberalität" der Kirche geht nach hinten los. Fehler darf der Mensch machen - ja, aber nicht solche strukturellen, die jedes weitere Wort und jede Predigt unglaubwürdig machen. Hier ist die Umkehr zu fordern - Käsmanns Rücktritt und ein Wort der Kirche zu Treue, vernünftigem Wandel etc. Es ist zwar Zeitgeist, was die Frau gemacht hat, aber als gläubiger Mensch darf man kein Apologet des Selbigen werden! Da passt es dazu, dass die evangelische Kirche sich einfach so hinter Käsmann stellt, ohne eine Debatte über zu lebende christliche Werte anzustoßen. Traurig genug.

  • Der große Euro-Betrug

    Es kann nicht wahr sein, was mit den Konvergenzkriterien der EU passiert ist. Regeln werden gemacht, um sie zu umgehen. Die Währungsunion ist diskreditiert, das Projekt Europa wackelt. Dabei ist ein Gelingen eindeutig in deutschem Interesse. Betrug charakterisiert die Bilanzierungsmentalität der Staaten. Das wird Auswirkungen auf den Kapitalmarkt haben. Und natürlich haben sich die Staaten bei ihren Betrügereien von Privatbanken beraten lassen. Die Kette der Verantwortungslosigkeit schließt sich. Die auch von mir vertretene Dichotomie von „guten Staaten“ und „schlechten Banken“ lässt sich nicht aufrecht erhalten. Staaten haben ihre Solvenz manipuliert und damit auch den Preis für Staatsanleihen betrügerisch verfälscht. Das geht nicht. Auch die Bundesregierung hatte es versucht, aber die Bundesbank hat bei der Fälschung des Goldpreises nicht mitgemacht. Echte Unabhängigkeit. Aber die Mentalität lässt fürchten, dass wir das Zeitalter des großen Betruges nicht so schnell verlassen werden.

  • Soft Balancing gegen Amerika - was soll das sein?

    Kommt es in der Weltpolitik zu einem Zweikampf zwischen den USA und dem rising hegemon China? Manche Wissenschaftler und Neokonservative glauben daran und sehen das fast herbei. Gibt es Indikatoren dafür? Das, was auf der ISA 2010 geboten wurde, waren Spitzen Papers über das Thema Soft Power und Strategic Hedging. Der herausragende Forscher ist für mich William Wohlforth, der nicht nur großartige Analysen zur Unipolarität und zum Kalten Krieg geschrieben hat, sondern der auch als discussant spontan unglaublich gut agierte. Er hat recht, dass die neuesten Arbeiten zur Soft Power keinerlei systemische Komponente enthalten, sondern dyadische Theorie darstellen.

  • New Orleans - die Saints sind back

    Dienstag, der 16. Februar in New Orleans. 1,5 Millionen Menschen tanzen und feiern auf den Straßen des French Quarter, der Canal Street und auf der Promenade des Mississippi. Es ist Mardi Gras, die amerikanische Version des Karneval, die Fans aus ganz USA und darüber hinaus anzieht. Indianisch gekleidete Anhänger des Zulu, des Königs des Karneval ziehen mit ihren Wagen durch die Straßen der Hauptstadt Louisianas. Viele Menschen sind verkleidet, aber nur wenige wirklich originell! Wenn man durch die berühmte Bourbon Street geht (man wird aufgrund des Platzmangels mehr oder weniger geschoben), dann fliegen Ketten von den Balkonen der wunderschönen französischen Häuser des gleichnamigen Viertels. Die Menschen geben, sie lachen, sie lassen die Tragödie hinter sich. In Gesprächen mit ihnen hört man, dass die Wirtschaftskrise nichts anhaben kann, weil sie eine existenzielle Katastrophe überstanden haben – einen apokalyptische Dimensionen ausgeprägten Hurrikan.
    Eine Woche voller Feiern und Paraden
    Der Karneval in New Orleans findet jedes Jahr statt, aber ein Ereignis hat die Stimmung und Psychologie der Stadt nachhaltig zum Positiven hin beeinflusst. Die New Orleans Saints haben völlig überraschend den Superbowl im American Football gewonnen und werten dies als glorreiches Zeichen der Rückkehr der Stadt in erfolgreiche Zeiten. Seit dem 10. Februar, der Siegesparade der Saints feiert die Stadt ununterbrochen. Das ist mehr als ein Vergnügen, das ist eine innere Befreiung, ein Comeback. Der lokale Fernsehsender von Louisiana, Fox-8, brachte in wenigen Tagen immer wieder Interviews mit Football-Spielern der Saints, die sagten: „We are back!“

  • Wissenschaft als Kommerz

    Hunderte von ehrgeizigen Studenten, voll fokussiert auf ihr Projekt, rücksichtslos, wenig diskursfähig: die Atmosphäre auf der International Studies Association Convention 2010 in New Orleans. Studieren in Amerika, das muss man sich leisten können. Der Weg der Karriere ist vorgezeichnet, wenn man von den Unis kommt. Dazu versucht man, die nützlichen Kontakte zu pflegen. Es bilden sich epistemische Gemeinschaften, die für sich bleiben wollen. Gut, ich habe meinen Spaß, aber das hatte ich mir schon besser vorgestellt.
    Als alter Hase im Fach muss ich jedoch sagen, dass hier wirklich redundante Themen vorgestellt werden. Geschichte wird selektiv behandelt, um irgendeinen Punkt zu machen. Meist soll ein optimistisches Bild der Welt forciert werden. Die Infrastruktur ist gut, aber sie produziert engstirnige Ehrgeizlinge. Das ist schade.

  • Mardi Gras crazy - New Orleans auferstanden...

    Eine Stadt, die auferstanden ist. New Orleans. Erst Superbowl-Sieg, dann ein kultureller Aufschwung. Die Leute feiern wieder. Viele ziehen zurück. Es ist einfach toll, dass hier nicht Wirtschaftskrise im Vordergrund steht sondern die Bewältigung existenzieller Probleme. Die Stadt besteht fast nur aus Riesen-Hotels, ich verlaufe mich momentan im Hilton. Man muss Gumbo auf dem French Market gegessen haben. Hier im Süden ist nur das Frühstück sättigend, aber das haut rein...

  • Kontinentales Frühstück in Lousiana

    Das war lecker, aber man sollte nicht jeden Morgen in Louisiana frühstücken. In den Südstaaten ist es schon extrem. Mindestens drei Eier für ein Omelette, dann viel Fleisch und gebratener Schinken, dann kann man nur sagen: is not always considered healthy because it contains a lot of rich ingredients such as cream, butter, eggs and other fat. You rarely find vegetables. Und in der CVS Pharmacy gibt es dann Fett-Burner. Ja, Mahlzeit, ich frühstücke nicht jeden Morgen... Take it or leave it - one example...

    Country Ham with Redeye Gravy

    Here's a great way to start the day. Couple this with eggs for a substantial way to start the day. Ham and eggs - what more can anyone ask for?

    3 tablespoons vegetable oil
    1 large country ham slice, about 1/2" thick
    1/8 teaspoon salt
    1/2 cup strong brewed coffee

  • carnival in New Orleans - Lundi Gras...

    and Mardi Gras... Hier in New Orleans ist es kalt. Und ich mag keine Menschenmassen. Deshalb war ich früh morgens am Mississippi und habe mir in Ruhe Jazz-Konzerte und Zulu-Tänzer angesehen. Gejetlagged liege ich jetzt und schaue auf Fox News den Umzug an, in den ich morgen beim Wechsel ins Downtown Hilton ohnehin hinein geraten werde. Französische und spanische Kultur erhellen die kulturlose amerikanische Landschaft. Es gibt einfach nur Burger, die Pancakes sind OK, aber man wartet auf ein richtiges Essen. Heute Abend vielleicht Catfish...

  • Die Selbstgerechtigkeit der "Eliten"

    Guido Westerwelle - ist er durch Leistung dorthin gekommen, wo er ist? Oder was für einen Leistungsbegriff vertritt die FDP? Wer sich am Meisten biegt, kommt in der Politik am Weitesten, die traurige Wahrheit. Die FDP bedient alle Vorurteile. Leistung soll zählen - die Kapitalbesitzer, die ohne den Finger zu krümmen oder durch Steuerhinterziehung, reich werden, die werden hofiert. Während der 40 Stunden arbeitende Pfleger oder die Kassiererin trotz Einsatz nicht unter den FDP-Begriff Leistung fallen. Unwürdig, aber Guido hat nach acht Wochen seine politischen Möglichkeiten gezeigt, die sind nicht üppig ausgeprägt. Hochmut kommt vor dem sicheren Fall...

  • Der Fall-Fall Westerwelle

    Wer ist Guido Westerwelle? Ein intelligenter Yuppie, früh in Stereotype sozialisiert, dem jedes Urteilsvermögen fehlt. Leider ein großer Teil unserer Elite, der so aufwächst und dann als verantwortungsloser Banker oder Schwätzer endet, der abgesichert ist. Es ist traurig, wie leicht rückgratlose Typen in der Gesellschaft aufsteigen können, während Menschen mit Prinzipien meist auf der Strecke bleibe. Da lobe ich mir die Elite-Sozialisation der Antike, wo politische Verantwortung erst NACH einem gelebten Leben übertragen worden ist. Der platonische Philosophenkönig ist ein gutes Beispiel dafür. Auf der Ebene der Erziehung von Eliten muss die Wende beginnen, sonst ändert sich nichts.

  • Moral Hazard: Griechenland kriegt EU-Kredite

    Der europäische Stabilitätspakt ist nichts mehr als eine Schönwetterveranstaltung. Denn die Griechen müssen mit ihrer Art mit durchgeschleppt werden. Zu groß ist der kollektive Schaden für den Euro durch den Zusammenbruch des gesamtes Landes. Aber hier liegt dasselbe Trittbrettfahrer-Problem vor wie bei den Banken. Das unverantwortliche Einzelhandel geht im Großen unter. Das erinnert an den Spielsüchtigen, dessen Frau auch nach hundert Verlusten im Spielkasino dem Mann wieder frisches Geld zur Verfügung stellt - einfach absurd!

  • Profana-Forschungsgruppe: Internetabzocke

    Ein neuer Fall von Internet-Abzocke. Ein illegaler unterdrückter Anruf und jemand will Sie zum Produkttest einladen. Sie brauchen nur Ihre Adresse angeben. Der Haken. Die Betrugsfirma Ascor Media will Ihnen ein Abo ohne Gegenleistung in Form von Produkten aufschwatzen. Die Leistung existiert nicht, angeblich aber ein mündlicher Vertrag. Am Besten nicht reagieren, Sie haben keine Willenserklärung abgegeben. Oder per Einrufeinschreiben widersprechen. Ich stelle Ihnen noch eine Rechnung, weil deren Anruf meine Beratungsstunde gestört hat, in Höhe von 120 Euro, die ich notfalls einklage. Die rufen mit unterdrückter Nummer an und verschicken was. Das wird diese Firma teuer zu stehen kommen. Nicht panicken und nicht reagieren oder formal nachweisbar widersprechen!!!

  • Die griechischen Probleme für den Euro

    Das Problem ist hausgemacht. Eine Währungsunion funktioniert nur mit wirtschaftlich ähnlich strukturierten Mitgliedern. Doch die gibt es in der Eurozone nicht wirklich. Deshalb wird der Euro nicht nur jetzt, sondern auf Dauer unter Druck geraten. Entweder die starken Staaten intervenieren auf Kosten ihrer eigenen Steuerzahler - die in der Krise ohnehin belastet sind - oder die schwachen Staaten müssen aus der Eurozone raus, mit allen bekannten Folgen. Die Griechen sind nur über Bilanzfälschungen, die von Goldman Sachs ermöglicht wurden, in die Eurozone gekommen. Es gab auch wenig Bemühen der EU-Kommission, die Geldpolitik Griechenlands ernsthaft zu prüfen. Deshalb ist auch die Griechenlandkrise eine Moralkrise, Ausdruck erheblichen Betrugs...

  • Die Stärke des Bundesverfassungsgerichts

    Die Parteien - bis auf die Linke haben sich bei der Hartz IV-Gesetzgebung bis auf die Knochen blamiert. Intransparent, zynisch in der Berechnung, vom Ziel her gedacht und auf die Positionen runter gebrochen - unsorgfältig und totalitär. Da hat man die Linkspartei geschaffen und die SPD wundert sich noch über ihr Abschneiden. Die FDP wird mit ihrer Klientelpolitik und der Auflösung des Sozialstaats spätestens vom BVG gestoppt - das ist gut so. Ein guter Tag für die judiziable Demokratie...

  • Hartz IV: SPD verletzte Menschenwürde und Sozialstaatsprinzip

    Die SPD hat mit dem Hartz IV-Gesetz die Menschenwürde verletzt. Ein hartes Urteil, das den Absturz der Partei erklärt. Aber es ist folgerichtig. Denn Kindern jeglichen Spaß, jede Entwicklung zu verweigern aus Kostengründen, das ist ein Signal, bei dem sich Willy Brandt und Karl Liebknecht im Grab herumdrehen würden. Aber auch die Berechnung der Erwachsenen lässt zu wünschen übrig. Die Teilhabe an der Gesellschaft ist bei diesem Satz kaum möglich. Andererseits muss ein Abstand zu den Niedriglöhnen gewahrt bleiben, damit Menschen überhaupt den Anreiz zur Arbeit haben. Einsparpotenzial gibt es vielleicht bei Migranten, die nicht willig sind, die Sprache zu sprechen. Hier sollten klarere Linien gefunden werden. Denn es kommen Menschen nach Deutschland, die immer noch die sozialen Vorzüge genießen wollen, ohne sich an der Gesellschaft zu beteiligen. Das muss sich ändern...

  • Banken auf Spielothekenniveau

    "Die gesellschaftliche Verantwortung der Banken" - so hieß das Thema einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung. Der Vorstand der Hypovereinsbank, Weimer, wagte sich als Banker aufs Podium, konnte jedoch nicht überzeugen. Die Mitarbeiter der Hypovereinsbank würden angehalten, nach ihrem Gewissen die Kunden zu beraten. Dass diese von ihrem guten Gewissen nicht leben können, war nicht das Thema. Professor Rudolf von der LMU München zeigte an einigen Beispielen, dass Regulierung zu ihrer eigenen Pervertierung führen kann. Ganz andere Geschäftsmodelle und eine andere Ethik seien nicht sehr realistische Lösungansätze. Dass die Krise durch neue Blasen geheilt wird, hält er für bedenklich und sagt damit nicht viel Neues. Dass aber Basel II Banken geradezu in andere Märkte getrieben hat, das war ein interessanter Gedanke. Die strukturellen Bedingungen des Lebens plus die Gier werden dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft eine Ellbogengesellschaft bleiben wird... leider!

  • Depression - Erfahrungsbericht und schnelle Hilfe

    Anke ist 32 Jahre alt. Sie gilt in ihrem Umfeld als Powerfrau, die immer den Takt vorgibt. Sie kann sich nicht in einer anderen Rolle vorstellen. In ihrer Firma leitete sie eine Abteilung und mit ihrem Freund fuhr sie fast jedes Wochenende zum Radfahren oder Bergsteigen in die Berge. Doch vor 9 Monaten fiel ihr plötzlich das Aufstehen schwer. Anke glaubt erst an einen Infekt oder an einen kurzfristigen Erschöpfungszustand. Doch nach einigen Wochen kamen auch die Zweifel an ihrem Leben, die sich in Form intensiven Grübelns äußerten. Die sonst so selbstsichere Frau fragte sich: "Kann ich meine Abteilung überhaupt leiten? Bin ich für meinen Freund gut genug?" Sowohl der Freund als auch die Kollegen in der Firma konnten nicht damit umgehen, dass sich Ankes Verhalten stark veränderte. Sie machten sich selber Vorwürfe. Erst nach Monaten ließ sich Anke überreden, zu einem Psychiater zu gehen. Dieser verschrieb leichte Antidepressiva, die ihr auch etwas halfen. Aber es war klar: Anke musste einmal aus ihrem Umfeld heraus. So ging sie für 12 Wochen in eine Klinik, die Fälle von Burnout von Berufstätigen behandelt. Hier fand Anke heraus, dass sie sich zu viele Dinge aufgeladen hatte. Und dass sie getrieben war und Dinge tat, um Anerkennung zu bekommen. Das Aufarbeiten einiger ihrer Grundstrukturen und Motivationen war in der Klinik möglich. Anke hat ein wenig ihrer beruflichen Verantwortung abgegeben, ihr Freund liebt sie immer noch und Anke tut nur noch so viel, wie ihr gut tut. Ab und an spürt sie wieder Gefühle der Niedergeschlagenheit, aber sie kann damit gut umgehen. Es ist möglich, dass sie eine starke Episode von Depression hatte, die sie aber einiges lehrte. Anke ist mit ihrem Leben zufrieden und kann Menschen nur ermutigen, offen zu sein, wenn sie mit depressiven Schüben kämpfen.

    Wo bekomme ich schnelle Hilfe?
    Es gibt in jeder größeren Stadt ambulante Psychiatrien. Sind im eigenen Umfeld Fälle von Depression bekannt, dann sollte man eine Liste der relevanten Institutionen und Telefonnummern zur Hand haben. Glücklicherweise haben verschiedene Städte koordinierte Projekte. In München gibt es seit 2007 den zentralisierten Krisendienst Psychiatrie. Als Leitstelle dient das Atriumhaus, welches telefonische Beratungsdienste anbietet, akute Krisenbehandlungen durchführt, mobile Einsätze vor Ort durchführt und stationäre Behandlungen koordiniert.

  • Die Münchener Sicherheitskonferenz: Fazit

    Die Münchener Sicherheitskonferenz ist kein Entscheidungsorgan. Es ist eines der wichtigsten Konsultationsforen der internationalen Politik. Aber von der Besetzung und von der Substanz der Aussagen war es doch eine gewisse Enttäuschung. Gerade die NATO verpasste die Chance, ihre Mission(en) genauer zu begründen. Krieg gegen den Terror, es bleibt ein abstraktes Schreckensszenario. Die Stabilisierung Afghanistans, was soll das sein? Zwar wollen NATO-Repräsentanten ihre Erfolge besser darstellen, aber wie soll das funktionieren? Bis jetzt hat man Polizisten ausgebildet, die Analphabeten waren. Man hat ein Ordnungsmodell verfolgt, dass die Religion nicht berücksichtigte. Das Ziel, den Bevölkerungen die Plausibilität des Einsatzes deutlich zu machen. Man geht geradezu über die Bedenken hinweg. Der Zusammenhang von nation-building und Anti-Terror-Kampf in Afghanistan ist nicht deutlich geworden. In diesem Sinne war die Konferenz mehr ein Austauschen von verbalen Konstruktionen, nicht aber der Versuch, die Machtverhältnisse in der Welt zu klären. In diesem Sinne war die Konferenz eine Enttäuschung - das Gewinnen von hearts of minds in der westlichen Öffentlichkeit ist wohl kaum gelungen.

  • McCain fordert Sieg in Afghanistan als Zeichen für die Welt

    John McCain, U.S. Senator betont die Schwierigkeiten innerhalb der USA, den Afghanistan-Einsatz zu rechtfertigen. Die Zahl der amerikanischen Toten nimmt zu. Die Armee ist aufgestockt worden, die Kosten sind hoch. Die USA können nur helfen, solange Fortschritt zu sehen ist. Es soll nicht Obamas Krieg werden. Es ist der Krieg der Weltgemeinschaft gegen Extremisten. Die Geschichte zeigt, dass Afghanistan eine der größten Stunden der Geschichte der NATO sein wird. Aber McCain fordert mehr Unterstützung von den Alliierten, um den Kampf schnell und mit voller Feuerkraft zu gewinnen. Wenn die NATO verlieren würde, dann wäre das ein schlechtes Signal für die Extremisten weltweit.

  • Karzai will ein unabhängiges Afghanistan bis 2015

    Der afghanische Präsident Hamid Karzai betont die Bedeutung von Sicherheit und Versöhnung in der Strategie des nation-building. Führung bedeutet die Sicherheit der Bevölkerung und des Territoriums zu gewährleisten. Dafür braucht er eine adäquate Truppenzahl. Bis 2012 sollte Afghanistan 300000 Armee- und Polizeikräfte haben, die die eigene Sicherheit gewährleisten können. In fünf Jahren soll Afghanistan Sicherheit für die Leute autonom gewährleisten können. Afghanistan will bis 2015 ohne auswärtige Truppen auskommen. Der Kampf gegen Al Kaida ist separat von dieser Stabilisierung.
    Sicherheit ist nicht in zivile und militärische Dimensionen zu trennen. Der Krieg gegen den Terror findet nicht in den Dörfern statt, sondern außerhalb Afghanistans. Operationen außerhalb der Dörfer ist das, was die Bevölkerung will. Die internationalen Organisationen müssen die Regierung unterstützen, keine Rivalen sein. Reintegration und Versöhnung verlangt die Einbindung von Gruppen und Ethnien in Partnerschaft mit der internationalen Gemeinschaft.
    Reintegration ist auf dem politischen Level und bedeutet, auf die Taliban zuzugehen. Ein nationaler Rat für Versöhnung und Integration ist geplant. Afghanistan ist ein muslimisches, gläubiges Land mit gemäßigtem Glauben. Jeder Friedensversuch muss dies berücksichtigen.

  • Verteidigungsminister zu Guttenberg fordert radikalere Reformbemühungen der NATO

    Die NATO ist seit dem Ende des Kalten Krieges oft in Frage gestellt worden. Und in der Tat - sie muss reformiert werden. Es wurde zu viel geredet und zu wenig getan. NATO ist größer, vernetzter geworden, aber die NATO sucht noch ihre Mission.
    Mit dem neuen strategischen Konzept kann die NATO ihre Philosophie stärken und den neuen strategischen Herausforderungen gerecht werden. Ein neuer Konsens muss hergestellt werden, der durch Dialog entsteht. Zu Guttenberg will einen Geist konstruktiver Veränderungen sehen. Die steigenden Kosten in allen NATO-Bereichen und die fallenden Militärbudgets erfordern eine Rationalisierung der Struktur. Was sind die Fundamente der NATO? Die Bedrohungen müssen analysiert werden. Abrüstung und Rüstungskontrolle sind wesentliche Bausteine der NATO.
    Die Operationen müssen optimiert werden. In Istanbul gab es eine ehrliche Debatte. 44 Staaten sind in Afghanistan aktiv. Es spricht für die natürlichen Reflexe der Demokratien, dass die Kritik sich verstärkt hat an dem Einsatz. Deutschland will die Zahl der Ausbilder vervierfachen. Counterinsurgery, den Begriff gibt es in Deutschland nicht. Die Wiederherstellung von Vertrauen im Land hat einen Preis und beinhaltet Risiken. Präsident Karzai muss jetzt aber beweisen, dass er das Vertrauen in ihn bestätigen kann.
    Die Bewaffnung muss verändert werden. Schwere Waffen taugen nicht außerhalb des eigenen Territoriums. Die NATO will nicht die UN duplizieren, aber dennoch erfordern viele UN-Einsätze ein sicheres Umfeld. Eine einheitliche Bedrohungsanalyse ist notwendig.
    Der transatlantische Kern der NATO muss bewahrt werden. Die russische Initiative für europäische Sicherheit muss diskutiert werden. Der Dialog mit Russland ist notwendig.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: NATO-Generalsekretär Rasmussen

    Anders Fogh Rasmussen, NATO-Generalsekretär, setzte sich mit den Veränderungen auseinander, die in der NATO unverzichtbar geworden sind. Rasmussen gibt drei Thesen vor:

    Die territoriale Verteidigung beginnt hinter unseren Grenzen. Die Kooperation der NATO mit anderen ist zentral für die Effektivität der NATO. - Die NATO muss ein weltweites Dialogforum werden.

    NATOs Kernaufgabe ist es, das eigene Territorium zu verteidigen, und das wird es bleiben. Die Solidarität dafür ist vorhanden. Was sich ändert, ist der Weg, wie dies durchgeführt wird. Cyber-Attacken, Terrorismus, Klimawandel etc. sind nicht begrenzbar. Und die Nuklearproliferation beginnt an anderen Orten. Gegen diese Bedrohungen helfen statische Armeen nicht weiter. Sicherheit heute erfordert aktives Engagement jenseits eigener Grenzen. Die Londoner Afghanistan-Konferenz zeigt die Wichtigkeit, dort präsent zu bleiben. Wann sind die Bedingungen gegeben, Afghanistan dem eigenen Volk zu überlassen? Es muss ebenso ein good governance-Ansatz gegeben sein.
    Die NATO braucht die EU, um zivile Rekonstruktion durchzuführen und Sicherheitskräfte auszubilden. Die Dinge müssen parallel passieren. Zivile und militärische Maßnahmen müssen gemeinsam etabliert werden. Die NATO hilft regionalen Organisationen, effektiver zu werden.
    Aber es muss mehr getan werden. Viele Länder, die Friedenseinsätze durchführen, trainieren nicht gemeinsam. Es gibt Koordinationsverluste. Das konventionelle Denken in nationalen Interessen muss durchbrochen werden.
    Die NATO muss ein weltweites Forum für Dialog werden. Es ist Rahmen, um Sicherheit, militärische Konzepte und Operationen zu definieren und auszuführen. Die NATO hat in ISAF 16 Partner. NATO revolutioniert seine Art zu arbeiten. Indien und China sollten mehr einbezogen werden, Afghanistan aufzubauen. Auch Russland hat dieselben Sicherheitsinteressen. Drogen, Terrorismusverbreitung - Russland sollte in Afghanistan mehr tun. Der Gravitationspunkt für NATO bleibt das transatlantische Verhältnis, aber es muss global gedacht und gehandelt werden. Die NATO als Zentrum eines Netzwerkes, das ist Rasmussens Vision. Die besten Praktiken in der Sicherheitspolitik sollten geteilt werden. Nein, die NATO konkurriert nicht mit den Vereinten Nationen, es geht nur um Sicherheit. Im Gegenteil, die NATO handelt fast ausschließlich unter den Auspizien der Vereinten Nationen.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Panel Atomwaffenfreie Welt und Abrüstung (2)

    Claus Kleber fragt, ob der US-Senat eine Abschaffung der Atomwaffen durchgehen lassen würde.
    John Kerry, U.S. Senator and Chairman of the Senate Committee on Foreign Relations, glaubt, dass zur gegenwärtigen Zeit ein solches Projekt nicht zustimmungsfähig sei. Aber es ist ein Projekt für die Enkelkinder. Wenn es nicht klappt, dann ist die ganze Welt gefährdet. Denn Osama bin Laden will Atomwaffen beim globalen Jihad einsetzen. Falken wie Sam Nunn und Henry Kissinger fordern die global zero. Das ist kein Zufall. Es ist organisatorisches Werkzeug, dieses Ziel anzustreben, realistisch ist es mittelfristig nicht. Atomwaffen haben durch Abschreckung viele Opfer verhindert. Die USA hat 7,3 Billionen Dollar in Nuklearwaffen investiert. Das Land hat damit eine besondere Verantwortung, diese wieder abzuschaffen. Es dürfen keine Mini-Nukes installiert. Ein nukleares Iran muss verhindert werden, sonst ist das Ziel nicht erreichbar.
    Frank-Walter Steinmeier, (leider) ehemaliger deutscher Außenminister, freut sich über die Fortschritte bei der Abrüstung in der Geschichte. Die Idee der global zero hängt von den USA und Russland ab. Steinmeier hält Verträge bei taktischen Atomwaffen für notwendig. Anreicherung von Plutonium muss immer unter der Kontrolle der IAEA sein.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Panel Atomwaffenfreie Welt und Abrüstung

    Claus Kleber moderiert das Panel. Er hat eine Serie zur Frage der Atombombe "die Bombe" gedreht. Er verweist auf Obamas Idee einer atomwaffenfreien Welt hin und fragt, ob diese möglich oder sogar wünschenswert sei.
    Richard Burt, Chef Global Zero Initiative aus Washington D.C. und US-Chef-Verhandler des Start-Vertrages, evaluiert die Möglichkeiten einer atomwaffenfreien Welt. Es sei nicht nur Obamas Verdienst, dass das Thema ernsthaft diskutiert wird. Henry Kissinger und Sam Nunn gehören zu den Personen, die die Agenda prägen.
    Die Rolle von Nuklearwaffen hat sich in der post-bipolaren Welt verändert. Die Kräfte der Proliferation machen die Welt gefährlicher. Terroristen und failed states können diese nicht rational beherrschen. Ein ernsthafter Versuch der Eliminierung von Atomwaffen würde die Gefahren der Nichtweiterverbreitung senken. 1. Die USA und Russland haben die Führung zu übernehmen bei einer Abrüstung (strategische und taktische Waffen unter 1000 Einheiten jeweils). 2. Multilateralisierung von Nuklearverhandlungen ist nötig. 3. Das Offensiv-Defensiv-Gleichgewicht zwischen Nuklear- und Nicht-Nuklearwaffen muss analysiert werden. 4. Es gibt einige Bremser wie Iran können den Prozess aus der Bahn werfen. Auch die Innenpolitik in den USA kann diesen Prozess im Kongress behindern.
    Auch Russlands Militär kann die Pläne Medwedjews und Putins gefährden. China und Indien, würden sie sich auf multilaterale Gespräche einlassen, erst recht Pakistan? Burt glaubt, dass die Gefahren einer Benutzung von Atomwaffen ohne diesen Prozess unkalkulierbar wird.
    Sergei Ivanov, stellvertretender Premierminister Russlands, betont die vertrauensbildende Funktion der Münchener Konferenz. Russland nimmt an, dass Nuklearwaffen für die Abschreckung können viele Gefahren nicht bedienen, die in der Weltpolitik vorhanden sind. Medwedjew hat die Abschaffung von Atomwaffen gefordert. Das russische Militär denkt nicht anders, so Ivanov. Russland behält nach neuer Militärdoktrin das Ziel der Aufrechterhaltung der Zweitschlagskapazität. Man kann nicht über Reduzierung von Atomwaffen reden, wenn andere Nationen Anti-Ballistic-Missile-Systeme entwickeln.
    Yukiya Amano, Generaldirektor der IAEO in Wien, glaubt, dass es glaubwürdige Verifikationssysteme geben muss, die die Abrüstungsschritte messbar machen. Die IAEO muss die nuklearen Materialien entdecken können. So konnte man Südafrika von seinem Programm abbringen. Amano wollte nur die Wege auf dem Weg zur Abrüstung nennen, nicht aber die Frage beantworten, ob er glaubt, dass eine nuklearwaffenfreie Welt möglich sei.

  • Münchner Sicherheitskonferenz: Zeichen europäischer Marginalisierung

    Barack Obama nannte in seiner State of the Union-Address die Europäische Union nicht einmal beim Namen. Statt dessen wendet er sich in Richtung China. Die Sicherheitskonferenz ist ein nettes Forum für Gerede, Entscheidungen fallen woanders. Obama wird nicht beim Gipfel EU-USA-Gipfel teilnehmen. Statt dessen hat er viele Termine im asiatisch-pazifischen Raum. Die USA hat seinen nationalen Sicherheitsberater Jones zur Konferenz geschickt, dazu sind alte Zossen wie John McCain als Altbestandteile der Konferenz vor Ort. Aber wo ist Hillary Clinton, wo Verteidigungsminister Gates? Es ist für sie nicht wichtig, die Konferenz so hoch zu bewerten wie das einstmals der Fall war. Zu stark ist die EU in eigenen Visionen für die Welt verstrickt. Das ist vielleicht gar nicht schlecht. Die EU hat für die USA in Afghanistan nicht viel zu bieten. Als stabilisierender Akteur ist die EU mit eigenen Währungsproblemen, mit Binnenreformen und mit dem Aufbau einer eigenen Politik beschäftigt. Christine Ashton repräsentiert das Dilemma einer zahnlosen EU. Da hilft das Vernetzungsgerede nichts. Die EU exerziert oftmals die Selbstgerechtigkeit des Prinzipienreiters, des "Konstruktivisten". Die Hände wirklich schmutzig machen will man sich nicht, sondern eine Friedenszone sein. Europa wird so schnell kein weltpolitischer Akteur im sicherheitspolitischen Bereich werden. Das ist das Signal der Konferenz in München.

  • Spanischer Außenminister fordert mehr EU-Afrika-Commitment

    Miguel Moratinos, der spanische Außenminister, betont die Gefahren des Terrorismus. Nordafrika als Basis für Al Kaida geht Spanien viel an. Es ist also wichtig, eine aktive Afrika-Politik zu betreiben. Die Rolle der EU muss stärker werden. Die Einigkeit in der Durchsetzung von Zielen muss im Geist Javier Solanas fortgesetzt werden. Die NATO muss erneuert werden. Der Lissabon-Vertrag bietet von Seiten der EU die Basis dafür. Die Koordinierung der verschiedenen Institutionen macht er Hauptproblem der Ineffektivität aus.

  • Die Hohe Repräsentantin der EU, Ashton, will EU-Einfluss stärken

    Baroness Catherine Ashton, High Representative for the Common EU Foreign and
    Security Policy, betont die Pfeiler europäischer Sicherheit. Die Verbindung von Sicherheitsproblemen muss identifiziert werden. Es kann keine nachhaltige Entwicklung ohne soziale Entwicklung geben, keinen dauerhaften Frieden ohne sozialen Ausgleich. Die Lissabon-Treaty kann helfen, Europa effektiver zu machen. Es muss etwas Neues aufgebaut werden. Die EU hat schnell in Haiti reagiert. In Afghanistan wird die Verantwortung für den Aufbau des Landes verstärkt. Die EU hilft beim Aufbau von Institutionen. Die EU setzt sich für die Palästinenser ein. In Somalia ist die EU tätig, wo sie gestern einen slowenischen Frachter gerettet hat.
    Die Ukraine und Georgien sollen für die EU fit gemacht werden. Die Zeiten sind vorbei, in denen die EU-Außenpolitik vor allem aus Reden bestand. Europa allein kann nicht wirklich effektiv sein. Deshalb muss global governance ausgebaut werden. Iran muss auf die Vorschläge der Staatengemeinschaft reagieren. Die Vereinten Nationen müssen gestärkt werden. Aber die EU will auch die Beziehungen mit anderen Staaten wie Indonesien, Brasilien und Mexiko stärken. Sie muss großzügiger werden. Es ist ihre Verantwortung, die Ressourcen dafür zu organisieren.

  • US-Sicherheitsberater Jones will NATO reformieren

    General James Jones, National Security Advisor der USA, betont die Langfristigkeit des transatlantischen Verhältnisses. Präsident Obama habe das Klima der Politik verbessert. Er setzt auf Multilateralismus. Die NATO muss mit Hilfe der EU fürs 21. Jahrhundert reformiert werden. In Afghanistan und Pakistan müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden. Der Klimawandel wurde von allen großen Staaten als Herausforderung akzeptiert. Die USA kann ohne seine Allierten keine Sicherheit herstellen, aber es gibt sie auch ohne die USA nicht. In Afghanistan muss die Sicherheit des Landes von eigenen Kräften hergestellt werden. Die Migration von Al Kaida-Kämpfern von Somalia in den Sudan muss verhindert werden. Insgesamt spricht der Sicherheitsberater weniger von den asymmetrischen Bedrohungen, ein Zeichen, den Krieg gegen den Terror zu relativieren. Nordkorea muss seine Verpflichtungen erfüllen. Die USA unterstützen Haiti durch Investitionen auf die lange Sicht. Die Flexibilität von Truppen muss auch bei den Alliierten durch Investitionen verbessert werden. Eine Herausforderung an ein verschuldetes Europa! Jones will die Ukraine in ihrer Selbstbestimmung unterstützen.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Russischer Außenminister Sergey Lavrov kritisiert NATO-Erweiterungen

    Der russische Außenminister Sergey Lavrov kritisiert die NATO-Erweiterungen, die die europäische Sicherheit gefährdet hätten. Eine bewusste Ausweitung der NATO nach Osten sei falsch gewesen. Die europäische Sicherheit hätte unter ein Dach gebracht werden könnten. Das wurde verhindert. Das Prinzip der Unteilbarkeit von Sicherheit wurde nicht eingehalten. In Jugoslawien wurde das Völkerrecht durch das Bombardieren Belgrads verletzt. Der NATO-Russland-Rat hat sich als uneffektiv erwiesen. Lavrov glaubt jedoch an Veränderungen, weil es Verschiebungen in der Machtarchitektur gibt. Europäische Familienangelegenheiten müssen als solche behandelt werden. Europa hat geopolitisches Gewicht. Die ehrliche Anerkennung der Unteilbarkeit von Sicherheit muss das Ziel sein. Präsident Medwedjew hat Vorschläge für ein europäisches Sicherheitssystem auf den Tisch gelegt. Die müssen ernsthaft diskutiert werden. Der Europarat muss gestärkt werden, denn er ist rechtlich verbindlich. Er kann Menschenrechtsprobleme lösen. Alle Sicherheitsdimensionen müssen bei Arrangements integriert werden. Lavrov fordert eine multipolare Sicherheitskonzeption und kritisiert implizit die US-Hegemonie. Die Entideologisierung der Welt muss zu neuen Kooperationsformen führen. Gemeinsames Vertrauen ist notwendig. Bleibt Europa in Einflusssphären geteilt oder nicht? Das ist die Prüfung für alle.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Westerwelle fordert nukleare Abrüstung

    Globalisierung ist ein Fakt, der die Politik beherrscht. Sie ist weiter als ökonomisches Phänomen diskutiert. Werte und Sprachen gehören aber auch zu diesem Prozess dazu. Der Prozess der Integration ist high-speed, und dies hat Einfluss auf die Steuerungsfähigkeit. Länder wie Jemen und Afghanistan wurden früher nicht wahrgenommen. Heute sind Entwicklungen in diesen Ländern entscheidend für unsere Sicherheit. Es bedarf also wahrer globaler Antworten auf diese Herausforderungen. Die deutsche Außenpolitik ist wert- und interessengeleitet. Institutionell sind für Deutschland die NATO und die EU der Fixpunkt von Werthaltungen. Deutschland muss aus dem Wertfundament neue Partnerschaften entwickeln. Der erste chinesische Außenminister auf der Konferenz war ein Signal. Auch mit Russland soll eine strategische Partnerschaft entwickelt werden. Die Vereinten Nationen sind wichtig, aber sie sind nur so stark wie der Einsatz der Mitgliedsstaaten in der Institution.
    Deutschland will Konsultation statt Konfrontation. Europäische Integration ist ein Erfolg, der aber kein gegebenes Faktum ist. Ein einiges Europa hängt davon ab, dass die Horrors der Kriege weiter im Bewusstsein bleiben. Der Lissabonner Vertrag hat ein neues Kapitel aufgeschlagen. Er ist nicht das Ende, aber ein Fortschritt hin zu einer GASP. Eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ist ein Motor, eine gemeinsame, demokratisch geführte Armee Europas das Ziel. Die NATO gehört zu den Elementen einer euro-atlantischen Partnerschaft.
    Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik. Die Weiterverbreitung von Atomwaffen ist eines der großen Gefahren der Gegenwart. Eine Abrüstung ist ein wichtiger Schlüssel zur Nichtweiterverbreitung. Iran hat das Recht auf zivile Nutzung von Atomenergie. Die US-russischen Verhandlungen über die Reduzierung von strategischen Nuklearwaffen hat eine positive Ausstrahlung auf das Verhalten anderer Akteure. Nukleare und konventionelle Abrüstung müssen dabei Hand in Hand gehen. Die Welt ohne Atomwaffen scheint für einige naiv zu sein. Aber sie muss das Ziel sein. Westerwelle lieferte mehr Worthülsen als Substanz.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Ban Ki-Moon fordert Sicherheit auf allen Ebenen

    Ban Ki-Moon wollte eigentlich zur Sicherheitskonferenz kommen, präferiert aber, die Haiti-Hilfsaktion zu koordinieren. Haitis Bevölkerung weiß, was sie braucht. Aber sie brauchen vor allem Unterstützung der Staaten und einen Wiederaufbau. Es ist kein rein humanitäre Frage, sondern eine sicherheitspolitische Frage, Haiti politisch aufzubauen. Die Bedrohungen des 21. Jahrhunderts sind sehr komplex geworden. Die UN ist in vielen Staaten aktiv. Der Klimawandel wird die Situation in Gesellschaften gefährden. Die Anfälligkeit für Staaten durch die Wirtschaftskrise stellt eine große Herausforderung dar. Es ist ein global koordiniertes Handeln notwendig. Im September hat Ban Ki-Moon eine Konferenz in New York einberufen. Es kann keine Ausreden mehr geben, die Staaten müssen handeln.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Iran gibt nicht klein bei

    Auch wenn die offizielle Lesart anders ist: Man wird sich an einen nuklear bewaffneten Iran gewöhnen müssen. Ein Gespräch zwischen dem schwedischen Außenminister Carl Bildt und seinem iranischen Kollegen Manuschehr Mottaki brachte keine Klarheit hinsichtlich des Gerüchts, ob Iran bereits über einen Atomsprengkopf verfügt. Die Trägerraketen vom Typ Shahab nehmen an Zuverlässigkeit zu. Der Westen kann eigentlich nur das fait accomplis der Bewaffnung des Iran hinnehmen. Ein präventiver Schlag wie der gegen die irakische Atomanlage osirak im Jahr 1981 ist nicht denkbar, denn sie würde zu weltweitem Terror und einem Ende einer sicheren Energieversorgung führen. Integration und Abbau von Ängsten muss sein.

  • Energiesicherheit und Konflikt

    Der Stellvertretende US-Verteidigungsminister Steinberg glaubt, dass kein Land so autark ist, um auf Kooperation verzichten zu können. Deshalb hofft er auf den Markt als Sicherer dieser Ressourcen. Ernsthafte Konflikte sollen durch marktbegleitende Maßnahmen garantiert werden.
    Die Straße von Malakka ist eine kritische Durchgangsstraße. Transportwege sind weiterhin verletzlich. Aber die großen Konflikte zwischen China und dem Westen wurden nicht explizit gemacht. Zu sehr ist die Konferenz ein Höflichkeitsforum.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Ressourcensicherheit und sich verändernde globale Macht

    Friedrich Merz leitet das Panel über die sicherheitspolitischen Dimensionen der Energiesicherheit. Die Herausforderung ist, die Knappheiten ohne politische Konflikte zu lösen.
    Erdgas ist für Europa eine Überlebenssache. Europa muss selbst die Energiequellen ausbauen und die Versorgungswege mit ausbauen helfen. In Bezug auf Nabucco muss die Türkei mit einbezogen werden. Atomenergie hat weiter eine zentrale Bedeutung, aber eben auch eine sicherheitspolitische Implikation. Märkte müssen die Investitionen garantieren. Sie lenken von nationalen Lösungen und Konflikten ab. Kooperative Rahmenwerke müssen die Durchsetzung von Energieinteressen garantieren. Auch das Verhältnis der USA mit Russland ist wichtig in Bezug auf Energiefragen. Prof. James Steinberg, Deputy Secretary of State, United States of America,
    Washington D.C., fordert die Stärkung internationaler Energieinstitutionen.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Energie ist Marktsache

    Jürgen Grossmann, Chef von RWE: Elektrizität ist die Energieform der Wahl. Es muss mehr Innovation in die Speichermedien von Strom gehen. Fossile Energie wird bis 2050 zentral sein und es wird ein 30 % steigender Bedarf bis 2030 vorhanden sein. Das Nabucco-Projekt und weitere Förderprojekte sind notwendig. Aber Energie muss vom Markt geregelt werden, nicht von der Politik.

  • Münchner Sicherheitskonferenz: Aserbaidschans Energiepolitik

    Energiepolitik ist eine zentrale Zukunftsfrage. Aserbaidschans Präsident Ilcham Alijew weiß um die Rolle seines Landes als ölproduzierendes Land. Viele Reserven Aserbaidschans waren nach dem Zusammenbruch der UdSSR erschöpft und das Land war von Umweltverschmutzung betroffen. Eines der größten Ölfelder der Welt war 1994 offen für die Exploration. Seit der Zeit konnte das Land gute Beziehungen zu vielen Investoren herstellen und seinen Ruf als Öllieferanten wieder herstellen. Er glaubt, dass noch über Jahrzehnte die Ölproduktion aufrecht erhalten werden kann. Selbst in der Ölkrise konnte Aserbaidschan die Ökonomie stabilisieren bei einem Wachstum von 9 %. Das kaspische Meer war das erste Mal geöffnet worden für ausländische Investoren. Heute gibt es das Nabucco-Projekt, die BTC-Pipeline usw. Das Klima für Investoren ist gut. Es gibt auch große Gasreserven in Aserbaidschan. 30 Milliarden Kubikmeter Gas sind für 2010 vorgesehen. 100 Jahre Gasreserven bei 3-5 Billionen Kubikmetern hält er für möglich. Alijew fordert Investoren in die Förder-Infrastruktur bei der Gewährung eines fairen Marktpreises für die eigenen Bodenschätze.
    Frieden in der Region ist das größte Problem. Armenien, Bergkarabach, Georgien sind Brennpunkte internationaler Sicherheit. Regionale Sicherheit und Stabilität sind Alijew wichtig, er wünscht den Einsatz internationaler Organisationen, den Frieden zu sichern.

  • Münchener Sicherheitskonferenz: Chinas Außenminister sucht Allianz mit der EU

    Chinas Außenminister Yang Jiechi will die Beziehungen mit der EU verbessern. Er baut auf eine größere Rolle der EU in der Weltpolitik. Natürlich wünscht er sich von den USA, dass diese die Bewaffnung Taiwans nicht signifikant erhöhen. Die letzte Lieferung war Ausgangspunkt für Verstimmungen. Der Außenminister spricht von einer violation des code of conduct von Seiten der USA. China wird auf die Waffenlieferungen nach eigenen Sicherheitskalkulationen reagieren. Das war eine klare Ansage, dass die Chinesen durch eigene Anstrengungen das Wettrüsten an der Straße von Taiwan annehmen werden. Die diplomatische Allianz der Chinesen soll mit Europa statt finden. In Bezug auf Iran versucht China, ausgleichend zu wirken. Ob das aber nicht damit zu tun hat, die Anstrengungen des Westens und der USA zu konterkarieren?

  • Anders als der BVB: Schwarz-gelbes Disaster

    Die moralische Wende der neuen Bundesregierung ist eine Wende in die finsteren Täler des Thatcherismus, eine Wende hin zum gescheiterten Zeitgeist, zu Gier und Eigeninteresse. Und dafür steht die FDP. Diese Partei wird wohl in den Ländern wieder um den Einzug ins Parlament zittern müssen. Strukturell ist hier Höhepunkt überschritten. Jetzt geht es wieder bergab, weil viele Wähler merken, dass den unseriösen Steuersenkungsplänen nicht zu trauen ist. Die FDP war mal mit Persönlichkeiten gespickt, von Walter Scheel über Hans-Dietrich Genscher bis Wolfgang Gerhardt. Diese haben aber nichts mehr zu sagen. Und deshalb geht die FDP als Idee verloren und wird zu einer vorübergehenden Lobby-Erscheinung.

  • Erfahrungsbericht: Umgang mit einem Depressiven

    Ich habe mit einem depressiven Menschen zusammen gearbeitet, der eine physiologisch begründete Depression hat. Ich habe ihn in der gemeinsamen Ausbildung kennen gelernt, wo er zwar zurück gezogen lebte, aber sonst auf der Höhe war. Später erfuhr ich von seinem Schicksal, dass er alle zwei Jahre für circa drei Monate in die Klinik muss, weil die Depression in diesem Intervall in Schüben auftritt. Ich erklärte mich bereit, ihn bei mir in einer größeren Wohnung wohnen zu lassen, da ich ihn in seiner stabilen Lage kannte.

    Die ersten Monate ging es auch gut mit ihm. Er war ohne Arbeit, frühverrentet, aber er interessierte sich für viele Dinge und engagierte sich für alte Menschen, da er musikalisch sehr begabt ist. Nach einigen Monaten aber kam er kaum aus dem Bett, er aß mal sehr viel, mal gar nichts und verbrachte fast den ganzen Tag vor dem Fernseher. Da ich die Symptomatik nicht kannte, brachte ich seinen Lebensstil ziemlich harsch zur Sprache. Ich verstieg mich darin, ihn als faul und träge anzusehen und zog mich selber aus der Beziehung zurück, obwohl er mich gebraucht hätte.

    Glücklicherweise kann der Betroffene sich selber gut einschätzen, so dass er in die Klinik ging, als er merkte, dass seine Medikamente neu eingestellt werden mussten. Er machte mir keinen Vorwurf, als ich über mein eigenes Verhalten ihm gegenüber betroffen war. Es fiel ihm schwer, sich mir gegenüber zu outen, aber es wäre richtig gewesen. Für mich kann ich sagen, dass ich mir das Urteilen über oder das Verurteilen von Leuten abgewöhnen möchte, weil man die Gründe für bestimmte Verhaltensweisen einfach kaum nachvollziehen kann. Es ist total unfair und unangemessen, einen an einer Depression leidenden Menschen mit normalen Kategorien zu beurteilen.

  • Podium: Alois Glück - warum wir uns ändern müssen

    Auf einer hochkarätigen Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung debattierten der Münchener Erzbischof Reinhard Marx,Unternehmer Rodenstock, Kurt Biedenkopf und Autor Alois Glück über dessen Buch "Warum wir uns ändern müssen". Die Politik der Gegenwart und die Ansprüche der Bevölkerung in ihrer Wechselseitigkeit entsprächen, so Biedenkopf in seinem Eingangsstatement nicht mehr den Realitäten einer Welt mit ökologischen, demographischen und Resourcenproblemen.
    Die Finanzkrise sei mehr als ein Betriebsunfall - sie sei die logische Folge eines Kapitalismus, dessen Akteure einzig und allein dem schnellen Gewinn hinterherjagten. Diese Art des Wirtschaftens sei nicht zukunftsfähig. Die wichtige Frage der Gegenwart lautet: Wie gestalten wir eine Kultur des Miteinander und des materiellen Verzichts bei ausreichender Versorgung? Auf welche Weise können Werte Ansprüche substituieren? Alois Glück fordert eine Politik der Subsidiarität, der Eigenverantwortlichkeit und der Initiative von unten durch die Bürger. Die Politik selber stünde innovativen Ansätzen im Wege. Reinhard Marx empfahl Elemente der Katholischen Soziallehre zur Förderung von Familie und nachhaltigen Lebenskonzepten. Zwar konnten die Protagonisten nicht den Stein der Weisen präsentieren, aber der Abend forderte auf, über neue Wege jenseits alter Bequemlichkeiten nachzudenken.

  • Sonderformen der Depression

    Wann ist eine Depression fachärztlich zu behandeln?
    Sollten sich Zustände von Deprimiertheit, Ziellosigkeit und Gefühlskälte über Wochen nicht bessern, dann ist es unbedingt erforderlich, einen Facharzt aufzusuchen. Dabei ist es jedoch sinnvoll, sich auch körperlich vom Hausarzt untersuchen zu lassen. Wenn dieser bestimmte körperliche Indikationen ausgeschlossen hat, dann ist leichter auf eine Gemütsursache der Niedergeschlagenheit zu schließen. Außerdem dürfte der Hausarzt auch geeignete Fachärzte in dem Bereich vermitteln können. Der Facharzt kann dann schnell einschätzen, ob eine vorübergehende oder langfristige Behandlung einzuleiten und durchzuführen ist.

    Sonderformen der Depression (Winterdepression, manische Depression, Altersdepression)
    Viele Menschen leiden an der Winterdepression, die meist durch zu wenig Tageslicht verursacht wird, da sich der Hirnstoffwechsel verändert. Begleitet werden solche Winterdepressionen häufig von Heißhungerattacken und von einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. In Deutschland leiden circa 800.000 Menschen unter einer Winterdepression. Ulrich Hegerl, Leiter des Kompetenznetzwerks Depression in München, empfiehlt die Durchführung einer Lichttherapie. Der Depressive wird hierbei in der Regel mehrere Wochen lang täglich von einem speziellen Gerät beleuchtet. Aber ein Solarium ist wegen des hohen UV-Anteils nicht sinnvoll. Aber auch frische Luft und natürliches Tageslicht sind so oft wie möglich zu suchen. Die Zufuhr von Vitamin B12 hilft in der Regel auch im Kampf gegen die Depression. Auch das Essen von Bananen gefällt nicht nur Affen: Denn diese enthalten die Hormonstoffe Serotonin und Norepinephrine, die für das positive Denken mitverantwortlich sind.

    Die manische Depression (auch bipolare Störung) genannt gehört zu den Affektstörungen. Betroffene leiden unter episodisch auftretenden Stimmungsschwankungen, die willentlich nicht kontrollierbar sind. Extreme Antriebsschübe bzw. –schwächen wechseln ab – der Betroffene ist seinem Befinden hilflos ausgesetzt. Die depressive Phase zeichnet sich wie die normale Depression durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Suizidgefühle und Antriebslosigkeit aus. In der manischen Phase gerät der Betroffene in eine Art Euphorie, die ihn von der Realität weit entfernt.

    Ältere Menschen geraten oft in Lebenslagen, in denen sie sich großen körperlichen und seelischen Herausforderungen stellen müssen. Der Verlust von Ehepartner und langjährigen Freunden, die nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit oder sowie Beschränkungen in der Beweglichkeit sind nur einige der möglichen Ursachen für das Auftreten von Altersdepression. Diese Art der Depression ist aber nicht weiter verbreitet als in anderen Altersgruppen und impliziert ähnliche körperliche und seelische Symptome. In Bezug auf die Behandlung ist zu sagen, dass medikamentöse Formen schwieriger sind als bei jungen Leuten, da viele ältere Menschen schon viele Medikamente einnehmen und Wechselwirkungen berücksichtigen müssen. Deshalb ist es vor allem wichtig, dass Senioren versuchen, durch Aktivitäten und Gemeinschaft neuen Lebensmut und neue Perspektiven aufzubauen. Oft ist aber eine Aufarbeitung des eigenen Lebens durch eine aktive Biographiearbeit oder durch das Niederschreiben (und damit Bewältigen) eigener Erlebnisse sinnvoll.

  • Concorde-Absturz: Ursache nicht klar?

    Die offizielle Version des Concorde-Absturzes von 2000, bei dem zahlreiche Deutsche ums Leben kamen, wird bei einem Prozess gegen American Airlines in Frage gestellt. Nach der bekannten Version verlor eine DC 10 der American Airlines auf der Startbahn ein Metallteil, das dann durch die Reifen der folgenden Concorde gegen deren sensible Tragfläche geschleudert wurde. Das darauf folgende Feuer führte zu dem Absturz der Maschine nach nur wenigen Kilometern. Jetzt aber will ein Fernsehbericht nachweisen, dass das Feuer schon vorher aus der Maschine schlug, bevor sie das Metallteil überflog. Man darf gespannt sein, ob das nur ein Gerücht der angeklagten Gesellschaft ist oder ob diesen Vermutungen Fakten anhaften...

  • Eigene Maßnahmen gegen Depression

    Geht eine Depression wieder weg?
    Vor allem psychische Formen von Depression, aber auch körperlich verursachte Depressionen verlaufen in der Regel in Schüben. Sie sind mal intensiver und mal schwächer ausgeprägt. In vielen Fällen gibt es jedoch eine einmalige Depression, die durch Umstände oder körperliche Belastungen verursacht wurde. Sind diese Faktoren behoben, dann ist auch die Depression besiegt.

    In jedem Fall ist jedoch mit einem Facharzt oder Therapeuten der Verlauf zu besprechen. Die Art der Depression ist auch persönlichkeitsabhängig.

    Was kann man selber gegen milde Formen von Depressionen tun?
    Gegen milde Formen der Depressionen hilft stimmungsanfälligen Menschen ein ausgewogener Lebensstil. Genügend Schlaf ist ebenso wichtig wie regelmäßiges Ausüben eines Sports oder das Erleben von Natur. Dazu kann man sich auch Genüsse gönnen, die "einem gut tun" – sei es ein schönes Konzert, ein gutes Essen oder eine sonstige unterhaltsame Zerstreuung.

    Hängt man in trüben Gedanken fest, so hilft es ebenfalls, so viel Gemeinschaft wie möglich zu suchen. Denn diese lenkt ab und lässt die eigenen Sorgen meist kleiner erscheinen. Sollte es möglich sein, dann ist ein Urlaub ebenso hilfreich wie der Besuch heller, ermutigender Orte in grauen Nebeltagen. Vor allem ist es wichtig, nicht stumm zu bleiben, sondern sich in seiner Gemütslage vertrauten Personen in wahrstem Sinne anzuvertrauen. Oft verschärft eine schambegründete Selbstisolation die Krise noch erheblich. Der Fall des Torwarts Enke hat gezeigt, dass diese weitverbreitete Krankheit oft noch gesellschaftlich als Tabu behandelt wird. Doch diese tückische Krankheit ist kein Selbstmitleid oder ein Mangel an Härte, sondern eine ernstzunehmende gesundheitliche Beschränkung. So sollte auch mit ihr umgegangen werden.

  • Diagnostische Leitfragen zur Depression

    Depressionen sind sehr schwer zu erkennen. Denn sie sind anfangs kaum von natürlichen Stimmungstiefs und Erschöpfungszuständen zu unterscheiden. Außerdem sind Depressionen mit allerlei körperlichen Symptomatiken verbunden, die oft vor allem physiologische Ursachen vermuten lassen. Zu diesen körperlichen Beschwerden können unerklärliche Kopfschmerzen, Muskel- oder Rückenschmerzen gehören. Selbst erfahrene Internisten tappen deshalb vielfach im Dunkeln, bevor sie auf die psychischen Ursachen dieser Schmerzen kommen. Deshalb dauert es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Schnitt 11 Monate, bis eine Depression als solche erkannt wird. Von 340 Millionen weltweit an Depression leidenden Menschen bleiben drei Viertel ohne Behandlung.

    Es gibt jedoch auch "klassische" Symptomatiken, die durch eine Art Selbsttest überprüft werden können. Es ist normal, dass äußere Umstände wie ein Todesfall im näheren Umfeld, berufliche Niederlagen oder Beziehungsprobleme Phasen des Trauerns mit sich bringen. Sollten diese jedoch ungewöhnlich lange dauern, ist es sinnvoll, einen Spezialisten aufzusuchen. Sollte man den Eindruck haben, allgemein wenig emotional auf freudige, aber auch traurige Ereignisse zu reagieren und auch wenig auf Ermutigungen von Freunden anspringen zu können, dann könnte man an einer depressiven Verstimmung leiden. Wenn Antriebslosigkeit über lange Zeit anhält, Projekte verschoben und Ausreden durch eine langfristige Passivität verdeckt werden, auch dann sollten die Warnsignale schrillen. Wenn Konzentrationsschwächen feststellbar sind, der Schlaf nicht mehr ruhig und konstant verläuft und der Tag so verläuft, dass man sich abends besser fühlt als morgens, auch dann könnte eine depressive Symptomatik vorliegen. Merkt man einen Rückzug, dass man keine freiwilligen verpflichtenden Termine eingehen will und sich sozial isoliert, statt dessen die Dauerberieselung des Fernsehens sucht und stundenlang im Kreis grübelt, dann kann man von einer depressiven Phase sprechen. Immer wieder sollte man prüfen, wie lange diese Phase anhält. Weitere Anzeichen für eine Depression sind: Eine übertriebene Ängstlichkeit in eigentlich leicht lösbaren Situationen, Gereiztheit in Gesprächen, sexuelle Unlust, der Verlust an Disziplin, zum Beispiel Sport zu praktizieren, Todesgedanken, das notorische Infragestellen von persönlichen Zielen und Ambitionen, die einem normal eigentlich wichtig sind…

    Sollten Gedanken konkret in Richtung Selbstmordhandeln gehen oder sollten bei Personen Selbstmordfantasien regelmäßig und sehr konkret auftauchen, dann sollte sofort mit dieser Person, aber auch mit Psychiatern gesprochen werden. Denn akute depressive Schübe können zu fatalen Kurzschlusshandlungen führen.

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